Kinderbibeltage
Möllegarden 1999 | Beaupreau 1998 | Klitten 1997
Was geht mich die Schöpfung an?
Bibeltag in Möllegarden 1999
Die Schöpfung sollte das Thema unseres Kinderbibeltages in unserer Ferienfreizeit in Möllegarden sein.
Wie stellt man die Erschaffung der Welt und deren Belastung bzw. Zerstörung durch die Menschen – uns – dar?
Beim Leiterwochenende hatten wir in der Vorbereitungsgruppe eine verrückte Idee: Wir lassen die Kinder ein Haus bauen – Schöpfung – und verbrennen es, wenn es in seiner von den Kindern gestalteten Buntheit vor uns steht – Zerstörung -. Von dieser ausgehend, fanden wir schnell Texte, Lieder und Arbeitsaufträge für den weiteren Verlauf des Kinderbibeltages.
Und dann kam der Tag in unserer Ferienfreizeit – für viele ein Erlebnis, für manche auch langweilig.
Sechs Gruppen erhielten je einen Plakatkarton und mussten Dach, Wand oder Eingang gestalten. Die Hausteile wurden bunt und lustig. Doch was in der Vorbereitung so gut klappte, erwies sich unter Realbedingungen als schwierig: von der vielen Wasserfarbe war der Plakatkarton weich geworden, und nur mit Mühe konnten wir ein Haus bauen: die Wände wackelten stark, und das Dach hing stak durch. Während des Aufbaus unseres Hauses wurde die Schöpfungsgeschichte vorgelesen. An den Gesichtern der Kinder konnte man sehen: Das Haus gefiel ihnen. Wir haben dann das Haus mit Spiritus übergossen und angezündet.
Die Hausbauer fanden das gar nicht lustig! Erst, als ein Text von Jörg Zink, "Die letzten sieben Tage der Schöpfung", vorgelesen wurde, erkannten alle, dass wir selbst an "unserem" Haus zündeln.
Nach diesem Impuls wurden unter den Gruppen die sieben Tage der Schöpfung verlost. Die Aufgabe war, den jeweiligen Tag im Positiven wie im Negativen darzustellen. Die Ergebnisse waren beeindruckend: eine Collage aus natürlichem Material stellte die Schöpfung der Pflanzen dar, ein Sketch die Erschaffung des Lichtes, ein Schattenspiel die Erschaffung der Tiere. Jeder konnte sich die Schöpfung und ihre Probleme mit uns selbst vorstellen. Die Vorbereitungsgruppe wollte den siebten Tag darstellen. Wir wollten Kartons aufbauen und dies als schwere Aufgabe darstellen, von der wir uns dann ausruhen mussten. Leider wurde nach dem Aufbau der Kartons das nächste Lied angekündigt und alle rätselten über die Bedeutung der Kartons. Ein Wortgottesdienst mit einer Agapefeier um einen mit natürlichen Materialien gestalteten Tisch in der Mitte beschloss diesen Kinderbibeltag.
Das Blitzlicht zeigte Reaktionen, die oben schon angesprochen wurden. Viel Positives, aber auch ehrlich negativ gemeinte Formulierungen. Spontan fand sich eine Gruppe von Kindern und LeiterInnen zusammen und sang mit viel Begeisterung geistliche Lieder aus unserer blauen KJG-Mappe.
Norbert Schwarzkopf
"Die große Flut" (Arche Noah)
Bibeltag in Beaupreau 1998
Eine "große Flut" ohne gestauten Bach? Eine lange Garagenauffahrt und 7 Bottiche mit Wasser schufen eine fast perfekte Illusion.
Nach einer kurzen Einleitung wurden Kleingruppen gebildet, die ein Haus aus Papier bauen sollten (DIN A4 Blatt – Farben und Baupläne waren die Gruppeneinteilungskriterien). Auf den Boden des Hauses sollten die Kinder und Jugendlichen einen Fehler schreiben, den sie in der Freizeit begangen hatten. Dieses Haus stellte nun jeder in die Garagenauffahrt. 93 Häuser ergaben eine bunte, ansehnliche "Siedlung". Die "große Flut" aus den sieben Wasserbottichen schwemmte alles fort. Nach der Beschreibung des Geschehens wurde das mögliche Schicksal von Menschen und Tieren in den Häusern angesprochen: die Verbindung zur Bibelstelle war gegeben. Sie wurde von den LeiterInnen der Kleingruppe erzählt. Jetzt fehlte nur noch die Arche selbst. Die Kleingruppen hatten die Aufgabe, je ein bestimmtes Teil der Arche zu gestalten (Arbeitspläne / Styroportafel / Messer) und ein vorgegebenes Tierpaar aus Karton auszuschneiden und zum "Leben" zu erwecken (Arbeitsanweisung / Plakatkarton).
Nach dem Abendessen wurden die Einzelteile der Arche kurz vorgestellt und mit Silikon und langen Nägeln zusammengebaut. So entstand ein buntes "Rettungsschiff" für die Tiere und Menschen. In der Überleitung zum Wortgottesdienst wurde die Aktualität des Themas "Arche Noah" für uns alle kurz skizziert; in einer Bußbesinnung allgemeine Ursachen der "großen Flut" angesprochen. Um einen persönlichen Bezug herzustellen, schrieben die Kinder und Jugendlichen auf eine Karteikarte was sie bei einer großen Flut retten wollten und welche Verhaltensweisen sie verändern wollten. Diese Karte legten sie in die Arche. Ein Gebet und der Originaltext aus der Bibel schlossen diesen Teil des Gottesdienstes ab.
Jeweils zwei Kleingruppen sollten nun ein Schlagwort, das mit den Ursachen der "großen Flut" in Verbindung stand, in eine szenische Darstellung umsetzen. Trotz des hohen Abstraktionsgrades solcher Schlagworte, gelang die Umsetzung sehr gut. So stellte die Gruppe, die das Schlagwort "Verzweiflung" bekommen hatte, einen Arbeitslosen dar. Er bat alle um Arbeit, die Arbeit hatten, wurde aber immer abgewiesen. Eine Fürbitte zur szenischen Darstellung wies über den dargestellten Problemkreis hinaus. Für jede Fürbitte wurde eine Regenbogenfarbe über ein gespanntes Seil gerollt, so dass die Fürbitten dann für den Bund zwischen Gott und den Menschen standen – den Regenbogen. "Vater unser" und "Friedensgruß" fügten sich sinnvoll in diesen Zusammenhang.
Zum Abschluss wurde in einem Schattenspiel eine Diskussion der Tiere dargestellt, die überlegten, ob sie die Menschen überhaupt mit in die Arche nehmen sollten. Die Tiere sahen in den Menschen die Ursache für soviel Leid und Zerstörung, dass es für viele keinen Grund gab, sie zu retten. Die Liebe der Kinder zu den Tieren veranlasste diese dann, wenigstens die Kinder mit auf die Arche zu nehmen. Ein kurzes Segensgebet schloss den Wortgottesdienst ab. Jedes erhielt nun ein Teelicht und stellte dies auf die Arche. Bei meditativer Musik konnte jeder noch verweilen.
Nicht alles hat so geklappt, wie die vorbereitende Gruppe sich dies vorgestellt hat. So wurde die Vorstellung der einzelnen Archeteile von einigen Kindern als "Personalityshow" missbraucht. Ein fehlendes Üben des Schattenspiels minderte deutlich die Wirkung. Auch die zeitliche Planung war zu weit gefasst, so dass die Dichte des Erlebnisses nicht hergestellt werden konnte.
Insgesamt war der Tag jedoch für viele Kinder und Jugendliche, die sonst wenig Zugang zu biblischen Themen haben, ein gelungenes Erlebnis. Dies zeigte sich im abschließenden Blitzlicht mit Kritik und Lob.
Im Blitzlicht zeigte sich, dass viele Kinder unzufrieden waren mit der fehlenden gemeinsamen Mahlfeier. Nach vielfältiger Kritik an unserem Kinderbibeltag in Klitten 1997 hatten wir auf ein solches Element verzichtet. Es hätte auch nicht unbedingt zwingend in unser Konzept gepasst. Wir werden aber bei künftigen Kinderbibeltagen dieses Element wieder einführen, wenn es thematisch-inhaltlich Sinn macht. Uns ist klar geworden, dass die Kritik nur theoretisch war und ohne das fehlende Erlebnis zwangsläufig leer laufen muss.
Es lohnt sich weiterzumachen!
Norbert Schwarzkopf
"Es war Gottesdienst und ich hab es nicht gemerkt"
Bibeltag in Klitten 1997
Der Sonntagsgottesdienst begann zu ungewohnter Zeit, um 15.30 Uhr. Nach dem Hinweis, dass heute Sonntag sei und wir diesen Tag besonders feiern wollten, wurde die Parole ausgegeben: "Wir bauen die größte Sandburg Dänemarks" – und alle zogen begeistert mit. Die Maurer, Materialholer, Wasser- und Sandträger hatten feste Befehle erhalten. So blieben die Sandträger sitzen, wenn sie nicht von den Maurern "Hol Sand" zugerufen bekamen. 45 Minuten wurde in großer Hitze Sand, Wasser, Holzstäbe, Tang u.a. auf eine Dünenkrone geschleppt. Dann gab es eine wohlverdiente Pause. In der Pause wurden die Befehle gewechselt. So hieß "Hol Sand" plötzlich "uflu häma". Als zu Beginn gerufen wurde, gaben die Maurer die Befehle, aber nichts tat sich. Keiner verstand den anderen. Nach ca. 5 Minuten Verwirrung setzten sich die Arbeitsgruppen zusammen. Die zentrale Erfahrung: Das Projekt war gescheitert, weil die Verständigung zusammengebrochen ist. Einzelne Kinder bezogen das Spiel spontan auf den Turmbau zu Babel. Zur Information aller wurde diese Stelle aus der Bibel vorgelesen.
Viele Kinder ärgerten sich, weil sie nicht weiterbauen durften. Erst als erklärt wurde, dass sie sich genauso wie die Turmbauer zu Babel auf ein größenwahnsinniges Projekt eingelassen hatten, wurden sie nachdenklich.
In Arbeitsgruppen setzten sie Kinder sich dann sehr unterschiedlich mit dem Thema auseinander. Eine Gruppe malte vom gescheiterten Turmbau bis zu einem Menschen mit Staubsauger, der die Wüste leersaugen wollte. Eine andere schrieb die Geschichte neu: Ein Skater, der einem Mädchen imponieren will, sich Verrücktes vornimmt und mit gebrochenen Knochen im Krankenhaus endet. Die Theatergruppe stellt dar, wie sich Menschen nicht verstehen: Der Ausländer an der Kasse oder ein Chaos in der Leiterrunde, wo keiner auf den anderen hört. Zwei Würfelspiele wurden entwickelt mit Wissens- und Aktionsfeldern. Eins war so konzipiert, dass man nicht ans Ziel kam. Eine letzte Gruppe schrieb einen Lagersong ("Es war an einem Sommertag") auf den "Turmbau zu Babel" um.
"Es war Gottesdienst und ich hab es nicht gemerkt" – spätestens um 20.00 Uhr war für alle erkennbar Gottesdienst. Alle saßen auf der Veranda im Karree um ungeschmückte Tische. Nach der Begrüßung kam der Teufel aus der Morgenrunde ins Spiel. Dort war eine Geschichte vorgelesen worden, in der der Teufel sich bei überfüllter Hölle für einen letzten Sünder entscheiden musste. Er wählte den "guten" Menschen, der NICHTS tat. Nichts tun taugt nichts, aber jeder, der etwas tut begeht Fehler. Vergebung und Mittragen und Ertragen der Schwächen des anderen wurde erbeten. Ein Gebet, dass die Angst vor der Nähe und dem Erkennen der eigenen Unvollkommenheit ausdrückte, leitete über zur Lesung. "Der große BOSS findet seine faulen Ebenbilder plötzlich gefährlich fleißig und um ihren Größenwahn zu stoppen, saust er mit 200 Sachen über die Baustelle. Anschließend verstehen alle Bauleute nur noch Feierabend und der Turmbau zu Babel ist zu Ende." Die Arbeitsgruppen stellten jetzt ihre Ergebnisse vor.
"Unser Gottesdienst ist keine Serviceleistung von uns für Euch, sondern unsere gemeinsame Sache". Mit dieser Aufforderung gingen die Arbeitsgruppen nochmals ans Werk. Die Tische mussten geschmückt, Fürbitten und ein Schlussgebet formuliert, Lieder ausgesucht und die Geschichte des Sandburgenbaus zu einem guten Ende gebracht werden.
Der Mahltisch war nach dem Geschmack der Kinder geschmückt mit Dingen, die ihnen wichtig waren – von der selbstgemachten Karte für die Mutter über das Kuscheltier bis hin zum KJG-T-Shirt. Teelichter spendeten Licht und schafften eine warme Atmosphäre.
Nach den Geschichten mit dem guten Ende unseres Sandburgenbaus, den Fürbitten, dem Vater unser und dem Friedensgruß wurde es für die Vorbereitungsgruppe spannend. Wir hatten sechs Fladenbrote und vier Kannen Tee für 91 Personen auf den geschmückten Tisch gestellt. Mit der Bitte zu teilen, wurden die Fladenbrote und der Tee weitergereicht. Würde das Teilen wirklich klappen?
In großer Ruhe und Ernsthaftigkeit teilten die Kinder, die LeiterInnen und Kochfrauen Brot und Tee – es blieben sechs halbe Fladenbrote übrig. Alle hatten das Teilen vor ihr eigenes Interesse gestellt.
Ein Schlussgebet mit der Bitte um Verständnis untereinander, Beistand, wenn wir unter den Folgen der Selbstüberschätzung leider und um Gottes Segen für die Nacht und die restliche Freizeit beschloss den Gottesdienst.
Die anschließenden Blitzlichter der Kinder zu diesem ungewöhnlichen Gottesdienst – festgehalten auf einer Tapete – reichten von "Super" über "Es wäre schön, wenn jeder Gottesdienst so ablaufen würde" bis zur zitierten Bemerkung "Es war Gottesdienst und ich hab es nicht bemerkt."
Unser Gottesdienst hatte insgesamt dreieinhalb Stunden nachmittags und zwei Stunden abends gedauert – keiner hatte gemeckert.
Norbert Schwarzkopf





